Zu oft wird Berlin blind betrachtet.
Bücher, Filme und andere Erzählungen über Berlin haben bisher
von einem glänzenden Zukunftsbild ( z.B. Potsdamer Platz) oder
von den beeindruckenden Leeren und Wunden der Stadt berichtet
( z.B. die Mauer und der 2.Weltkrieg). Sie dominieren die
urbanen Vorstellungswelten Berlins. Verloren gingen das Persönliche,
das Periphere und das Gewöhnliche - die Vielfalt des
Alltags dieser Stadt. Berlin ist häufig blind für seine Menschlichkeit.
Die Farben Berlins macht die Orte sichtbar, die in der städtischen
Wahrnehmung verschwinden. Das sind die »weißen
Flecken« auf den mentalen Stadtplänen Berlins.
Durchstreifen Sie die Stadt mit dem Farbfächer und entdecken
Sie den bunten Alltag Berlins.
Entfächern Sie die Vielfalt vor sich und erleben Sie die Stadt
auf fünf Ebenen: Bild, Farbe, Thema, Karte und Text.
Die Bilder zeigen alltägliche Motive aus allen Teilen Berlins -
von Mitte bis Hellersdorf. Die zwei Farbblöcke erweitern die Bilder
um ein emotionales Element. Die Farbtöne sind direkt dem
Bild entnommen und eröffnen dem Betrachter die Möglichkeit,
diese alltäglichen Situationen neu zu sehen und empfinden zu
können. Die Farben sind das Kontinuum und die Verbindung dieser
Sammlung städtischer Fragmente. Die Themen benennen
wesentliche Elemente und liebenswürdige Besonderheiten des
Berliner Stadtlebens: Boden, Stadtmöbel oder Kaltschnäuzigkeit.
Auf der Rückseite werden die oft übersehenen Einmaligkeiten
im städtischen Raum verortet. So werden die unscheinbaren Dinge
im Berliner Stadtplan lesbar und zugänglich. Sie werden die Motive
nicht so vorfinden wie auf den Bildern gezeigt, aber der Ort
wird Sie anregen, andere Besonderheiten zu entdecken und selber
zu dokumentieren. Der kleine Berlinumriss zeigt den Bezirk und
gibt Ihnen Orientierung und führt Sie beim Durchstreifen der Stadt.
Die Texte zitieren aus unterschiedlichsten Formen der städtischen
Beschreibung: von der Berliner Morgenpost über Siegfried
Kracauer bis zum Dalai Lama. Die Texte sind eine weitere Art der
städtischen Repräsentation. Sie vertiefen die Wahrnehmung.
Die Farben Berlins sind für Touristen und Berliner. Der Farbfächer
ist eine andere Art von Stadtführer - eine Anregung zum
individuellen Sehen und Dokumentieren von Stadt. Es ist eine
Liebeserklärung an Berlin. Sie geben dem Flaneur und Stadtliebhaber
beim Durchstreifen der Stadtlandschaft eine Sehhilfe,
Alltag neu zu erfahren. Das Ziel von Stadtblind ist es, eine Distanzierung
gegenüber dem Gewöhnlichen herauszufordern und
es in einem neuen Rahmen zu fassen, um es ungewöhnlich
und liebenswürdig werden zu lassen. Wir stellen die alltäglichen
Räume, Objekte und Oberflächen des zeitgenössischen Berlins
in einer Weise dar, die eine neue Wahrnehmung vom Städtischen
eröffnet. Es sind gerade die alltäglichen Aspekte des Lebens, die
am häufigsten übersehen werden; und es ist gerade das Alltägliche,
das die gelebte Erfahrung der Stadt bestimmt.
STADTBLIND, Berlin, 2005.
Das Buch kann man bei Amazon bestellen.
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