Frankfurt

Stadtregion Rhein-Main

February 27th, 2007 By ph.schwarz

Die vielschichtige Suburbanisierung der letzten 40 Jahre hat zur Entstehung von Stadtregionen neuer Qualität geführt. Die Randstadt prägt das Bild der Stadtregion.

Das Umland der Kernstädte hat eine eigene Standortdynamik entwickelt, und so hat sich das Zentralitätsgefälle von Zentrum und Peripherie ausdifferenziert und teilweise eingeebnet. Die Entstehung von neuen Zentren am Rand der Siedlungsfläche hat zu einer Bedeutungsverlagerung von den Innenstädten in die Randbereiche geführt. Städtische Räume sind zu einer großflächigen Stadtagglomeration zusammengewachsen. Trotz dieser stadträumlichen und funktionalen Realitäten wurde bisher an den kommunalen Verwaltungsgrenzen festgehalten.

Aber was ist dann die Stadtregion? Ein gebautes städtebauliches Leitbild, eine Zustandbeschreibung oder eine Vision? Sie ist nicht das Ergebnis einheitlicher planerischer Vorstellung. Die Stadtregion ist zwar Realität für die Bewohner, aber noch gibt es keine klare und trägfähige siedlungsstrukturelle Vision. Die Stadtregion transportiert vorerst kein räumliches oder gestalterisches Modell. Sie ist eine gewachsene Stadt, Ergebnis einer Vielzahl kommunaler Planungen.

Jetzt könnte man die bestehenden Siedlungsstrukturen als etwas “Natürliches” hinnehmen. Aber so wie die einzelnen Kernstädte ihre Räume zu gestalten haben, so braucht auch die gesamte Stadtregion eine formgebende Kraft. Da unterscheiden sich die Innen-, Mittel- und Zwischenstädte nicht. Siedlungsstrukturen sind etwas Gestaltbares. Es gibt geradezu einen Gestaltungsauftrag der stadtregionalen Räume.

Die Stadtregion benötigt eine Perspektive, die die verschiedenen Teilräume und ihre Bezüge erfasst: Kernstadt und Peripherie, Landschaft und Quartier, urbane und vorstädtische Möglichkeitsräume. Stadtmodelle wie die Europäische Stadt oder Zwischenstadt begrenzen die Betrachtung auf Teilbereiche der Stadt oder ihres Umlandes. Der Begriff der Stadtregion hat die Agglomeration insgesamt im Blick. Daran liegen ihre Chance und ihr Charme.

Aber warum gab es bisher keine tragfähigen städtebaulichen Modelle, die die Entwicklung hätten steuern, die Zersiedlungen der Landschaft auf ein erträgliches Maß reduzieren oder monotone Einkaufswüsten verhindern können? Diese Frage lässt sich hier nur verkürzt beantworten, aber ein Grund dafür ist sicherlich, dass es bisher kaum eine Gemeindegrenzen übergreifend abgestimmte städtebauliche Planung gab und, dass es eine gewisse Ratlosigkeit über das zukünftige Bild der Stadt und ihrer Region gibt. Die Einen sehen das Modell der kompakten europäischen Stadt als einzige Voraussetzung für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Die Entwicklungstendenzen laufen diesen Vorstellungen allerdings zuwider. Die Anderen, die Kritiker der traditionellen Stadt halten es für unmöglich, dass das Modell der Europäischen Stadt, entgegen der suburbanen Entwicklungstendenzen, aufrecht zu erhalten ist, haben aber Vorbehalte gegen die Formulierung wegweisender Zukunftsbilder. So oder so ähnlich ist es zu erklären, warum die Diskussion wenigstens in Deutschland zwischen laissez-faire und Leitbild stecken geblieben ist.

Der Regionale Flächennutzungsplan des Planungsverband Frankfurt Rhein-Main ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einem regionalen Städtebau. Da fast jeder zweite Bundesbürger in einer Stadtregion lebt, sollte auf lange Sicht die regionale Bauleitplanung auch in anderen Regionen zum planerischen Standart werden. Aber das Instrument des Flächennutzungsplan kann nicht alles, und die langen Bearbeitungszeiten und die in manchen Bereichen festzustellende Unflexibilität machen deutlich, dass, wie auch in der kommunalen Planung, informelle Planungsinstrumente wichtiger werden, bzw. der Mix aus formeller und informeller Planung effektiver ist. Diese informellen Planungen können Leitbildprozesse einschließen, sie können der besonderen Entwicklung von Teilthemen und Teilbereichen dienen, aber müssen ganz bestimmt die Entwicklung von städtebaulichen und damit sinnlich begreifbaren Zukunftsvorstellungen beinhalten.

Mit dem Leitbild “Frankfurt/Rhein-Main 2020 – die europäische Metropolregion” für den Regionalen Flächennutzungsplan haben die regionalen Akteure eine gemeinsame planerische Zielsetzung formuliert und sich das Ziel gesteckt diese umzusetzen. Die Region der Starken Zentren, die Profilierung der Räume und das Bekenntnis zur Baukultur sind die Rahmenbedingungen für eine aktive Gestaltung der stadtregionalen Räume.

Dieser Text möchte die formulierten Ziele aufgreifen, sie im Sinne einer lebendigen und Lehre thematisch ergänzen und in planerische Entwurfsaufgaben und spielerische Übungen umsetzen. So soll in der Region Rhein-Main in einem universitären Rahmen ein Dialog um konkrete siedlungsstrukturelle Visionen in Gang gesetzt werden.

Workshop Fisch Sucht Stadt

February 27th, 2007 By ph.schwarz

Eine Kollaboration von choehackh architekten, drw, thomas klein und stadtblind

Fisch sucht Stadt ist der erste Beitrag von www.filetstueckchen.de. Filetstückchen widmet sich den kulinarischen Highlights der Frankfurter Stadtentwicklung und lässt sie durch den Magen gehen. Das kommende Projekt “Der Deutsche Schnitt” legt - Schnipp Schnapp - die rustikalen Pläne der Altstadtbebauung auf den Teller. Wir wünschen guten Appetit!

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<strong>”Die filetierte Stadt oder Wieviel Europa hängt noch am Viertel?”</strong>

Der Fisch stinkt vom Kopf her und das Urbane lässt sich nicht in eine Dose sperren, ohne dass es verrottet. Lachsforelle statt Thunfisch. Gemordet, aufgelockert und amerikanisiert. Trotzdem. Das Urbane erlebt eine Renaissance im Inneren. Eine Innenentwicklung im Bauch der Architektur. Alle verkopften Keimzellen des Kreativen und Städtischen werden filialisiert durch Entertainment. Freitagsküche, Künstlerhaus und Architekten präsidial residierend werden jetzt klimatisiert. Die neue städtische Atmosphäre kommt aus Lautsprecher und Geruchsspendern. Stadt stinkt nicht. Und trotzdem: Der Fisch Bader riecht jetzt suburban in Griesheim.

Die urbanen Vorstellungswelten orientieren sich an den großen Metaphern und Analogien der europäischen und klinischen Stadtbauwelt. Ob organisch oder steinern, ob Rückgrat, Aorta oder Boulevard, Flair oder Centralpark, im Wesentlichen ein Raum. Aber der Boulevard beginnt im Zwischen, taucht in der Mitte ab. Hier wird nicht spaziert, sondern gecruist. Mehr Lynch als Sitte. Luv und Lee, die Stadt als Hinterland.

Der Kudamm Frankfurts schlägt einen Haken um die neue Stadtblase. Der Flaneur kommt aus dem Schritt und stolpert weiter. Das Europäische wirkt etwas aufgeblasen und steht im Weg. Moderner Dampfer im globalen Meer. Die Stadtbilder sind überfischt. Trotzdem lecker. Stadtliebe geht durch den Magen.

STADT SUCHT FISCH.

Stadt sucht Fisch ist ein Ergebnis des Workshops
Fehlstellen der Stadtentwicklung mit anschließender Ausstellung der Ergebnisse und Podiumsveranstaltung.
Evangelische Stadtakademie in Zusammenarbeit mit der Stadt Frankfurt und dem DAM.

Die Reihe Aufbruch/Abbruch widmet sich stadtplanerischen Themen. 2007 wird sich das Projekt ?Fehlstellen der Stadtentwicklung? den Brachen und Bruchstellen in städtischen Zentren zuwenden. Exemplarisch soll für die Stadt Frankfurt das Europaviertel betrachtet werden, ein großes Areal, das seit Jahren auf Entwicklung wartet. Was passiert mit einem chancenreichen Areal, wenn, wie hier, die erhofften Großinvestoren ausbleiben oder Projekte scheitern? Gibt es kleiner gelagerte Alternativen oder verbieten sich diese aufgrund wirtschaftlicher Zwänge von vorneherein? Welche Infrastruktur brauchen die neuen Quartiere und welche Schnittstellen zu den alten Stadtteilen sind nötig? Auch diese Fragen sollen erörtert werden, ebenso wie die, welche generellen änderungen planungsrechtlicher Art nötig wären, um flexibler reagieren zu können.

<strong>Podiumsveranstaltung
Mittwoch, 31.1.2007, 19.30 Uhr</strong>

- Wolfgang Kil Architekt und Publizist, Berlin
- Günther Kühnlein Leiter Vivico Real Estate GmbH Frankfurt
- Rolf Lange Projektleiter, aurelis Real Estate GmbH, Eschborn
- Dieter von Lüpke Leiter Stadtplanungsamt Frankfurt
- Dr. Walter Prigge Stiftung Bauhaus Dessau
- Peter Cachola Schmal (Moderation) Direktor Deutsches Architekturmuseum

Vom 24.1.-9.2.2007 zeigen wir die Ergebnisse eines Workshops zum Thema.
Beteiligte Architekten:

bb22, architekten + Stadtplaner, Frankfurt am Main
Choe Hackh Architekten, Frankfurt am Main
Cornelsen und Seelinger Architekten BDA, Darmstadt
Drw Architekten und Ingenieure, Frankfurt am Main
Dipl.-Ing. Architekt Thomas Klein, Frankfurt am Main
INDEX Architekten BDA, Frankfurt am Main
Just. Burgeff Architekten,Frankfurt am Mainstadtblind
Kontext Architektur, Frankfurt am Main
Liquid Architekten, Darmstadt
osa darmstadt

stadtblind: Berlin, Stuttgart, Innsbruck, New York