Die vielschichtige Suburbanisierung der letzten 40 Jahre hat zur Entstehung von Stadtregionen neuer Qualität geführt. Die Randstadt prägt das Bild der Stadtregion.
Das Umland der Kernstädte hat eine eigene Standortdynamik entwickelt, und so hat sich das Zentralitätsgefälle von Zentrum und Peripherie ausdifferenziert und teilweise eingeebnet. Die Entstehung von neuen Zentren am Rand der Siedlungsfläche hat zu einer Bedeutungsverlagerung von den Innenstädten in die Randbereiche geführt. Städtische Räume sind zu einer großflächigen Stadtagglomeration zusammengewachsen. Trotz dieser stadträumlichen und funktionalen Realitäten wurde bisher an den kommunalen Verwaltungsgrenzen festgehalten.
Aber was ist dann die Stadtregion? Ein gebautes städtebauliches Leitbild, eine Zustandbeschreibung oder eine Vision? Sie ist nicht das Ergebnis einheitlicher planerischer Vorstellung. Die Stadtregion ist zwar Realität für die Bewohner, aber noch gibt es keine klare und trägfähige siedlungsstrukturelle Vision. Die Stadtregion transportiert vorerst kein räumliches oder gestalterisches Modell. Sie ist eine gewachsene Stadt, Ergebnis einer Vielzahl kommunaler Planungen.
Jetzt könnte man die bestehenden Siedlungsstrukturen als etwas “Natürliches” hinnehmen. Aber so wie die einzelnen Kernstädte ihre Räume zu gestalten haben, so braucht auch die gesamte Stadtregion eine formgebende Kraft. Da unterscheiden sich die Innen-, Mittel- und Zwischenstädte nicht. Siedlungsstrukturen sind etwas Gestaltbares. Es gibt geradezu einen Gestaltungsauftrag der stadtregionalen Räume.
Die Stadtregion benötigt eine Perspektive, die die verschiedenen Teilräume und ihre Bezüge erfasst: Kernstadt und Peripherie, Landschaft und Quartier, urbane und vorstädtische Möglichkeitsräume. Stadtmodelle wie die Europäische Stadt oder Zwischenstadt begrenzen die Betrachtung auf Teilbereiche der Stadt oder ihres Umlandes. Der Begriff der Stadtregion hat die Agglomeration insgesamt im Blick. Daran liegen ihre Chance und ihr Charme.
Aber warum gab es bisher keine tragfähigen städtebaulichen Modelle, die die Entwicklung hätten steuern, die Zersiedlungen der Landschaft auf ein erträgliches Maß reduzieren oder monotone Einkaufswüsten verhindern können? Diese Frage lässt sich hier nur verkürzt beantworten, aber ein Grund dafür ist sicherlich, dass es bisher kaum eine Gemeindegrenzen übergreifend abgestimmte städtebauliche Planung gab und, dass es eine gewisse Ratlosigkeit über das zukünftige Bild der Stadt und ihrer Region gibt. Die Einen sehen das Modell der kompakten europäischen Stadt als einzige Voraussetzung für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Die Entwicklungstendenzen laufen diesen Vorstellungen allerdings zuwider. Die Anderen, die Kritiker der traditionellen Stadt halten es für unmöglich, dass das Modell der Europäischen Stadt, entgegen der suburbanen Entwicklungstendenzen, aufrecht zu erhalten ist, haben aber Vorbehalte gegen die Formulierung wegweisender Zukunftsbilder. So oder so ähnlich ist es zu erklären, warum die Diskussion wenigstens in Deutschland zwischen laissez-faire und Leitbild stecken geblieben ist.
Der Regionale Flächennutzungsplan des Planungsverband Frankfurt Rhein-Main ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einem regionalen Städtebau. Da fast jeder zweite Bundesbürger in einer Stadtregion lebt, sollte auf lange Sicht die regionale Bauleitplanung auch in anderen Regionen zum planerischen Standart werden. Aber das Instrument des Flächennutzungsplan kann nicht alles, und die langen Bearbeitungszeiten und die in manchen Bereichen festzustellende Unflexibilität machen deutlich, dass, wie auch in der kommunalen Planung, informelle Planungsinstrumente wichtiger werden, bzw. der Mix aus formeller und informeller Planung effektiver ist. Diese informellen Planungen können Leitbildprozesse einschließen, sie können der besonderen Entwicklung von Teilthemen und Teilbereichen dienen, aber müssen ganz bestimmt die Entwicklung von städtebaulichen und damit sinnlich begreifbaren Zukunftsvorstellungen beinhalten.
Mit dem Leitbild “Frankfurt/Rhein-Main 2020 – die europäische Metropolregion” für den Regionalen Flächennutzungsplan haben die regionalen Akteure eine gemeinsame planerische Zielsetzung formuliert und sich das Ziel gesteckt diese umzusetzen. Die Region der Starken Zentren, die Profilierung der Räume und das Bekenntnis zur Baukultur sind die Rahmenbedingungen für eine aktive Gestaltung der stadtregionalen Räume.
Dieser Text möchte die formulierten Ziele aufgreifen, sie im Sinne einer lebendigen und Lehre thematisch ergänzen und in planerische Entwurfsaufgaben und spielerische Übungen umsetzen. So soll in der Region Rhein-Main in einem universitären Rahmen ein Dialog um konkrete siedlungsstrukturelle Visionen in Gang gesetzt werden.